Das ist Voltaire (aus Rücksicht auf seine Problemzonen heute nur ein Porträtfoto).
Voltaire und ich teilen ein Problem: Wir haben Pendelfiguren. Wenn wir mal nicht aufpassen oder mehr essen oder uns weniger bewegen, dann nehmen wir zu.
Und im Winter eh, da schlägt das Pendel aus, leider zugunsten des Gewichts. Also zu unseren Ungunsten.
Dummerweise ist nun Winter. Über meine Figur schweigen wir, aber Voltaire kann sich ja nicht wehren, er kann nämlich nicht tippen.
Die Ernährungsberaterin und ihr zu dicker Hund
Wer mich kennt, der weiß, dass ich auch ausgebildete Tierernährungsberaterin bin. Verdammt, wie kann es mir passieren, dass mein Hund zunimmt?
Ehrlich: Bei meinen Hunden bin ich in erster Linie „Frauchen“ beziehungsweise „’s Mami“*. Völlig subjektiv. Ich betrachte meine Hunde und finde sie einfach schön. Außerdem sehe ich sie täglich.
Und nun ist es ja auch nicht so, dass Voltaire dick ist. Nein, er hat nur einfach ein wenig zu viel auf den Rippen. Aber ich merke es zunächst nicht. Nur gibt es ja hier auch noch einen Gatten (meinen). Und es sind auch seine Hunde. Und aus mir persönlich völlig unerklärlichen Gründen ist der offensichtlich objektiver (aber diplomatisch genug, nie etwas zu meiner Figur zu sagen).
Und so verkündete er vor einigen Tagen: Der Hund muss abnehmen.
Die Wahrheit wiegt schwer
Meine Reaktion: „Nöööö.“ Das kommt aus meinem Mund, ohne dass ich denke. Ein Verteidigungsreflex.
Gemeinerweise habe ich aber aus beruflichen Gründen eine Tierwaage. Das ist für Voltaire echt blöd. Denn er wurde sofort gewogen. Und: Der Gatte hat recht.
Voltaire hat 1,1 kg zugenommen. Das ist für einen Hund seiner Größe echt viel, ca. 6 % seines normalen Körpergewichts. Lehn dich mal zurück und stell dir vor, was das für deine Figur bedeuten würde …
Voltaires Diätplan
Nun lebt Voltaire also auf Diät. Das heißt: Er bekommt von allem ein klein wenig weniger als sonst. Dennoch darf er Leckerlis als Belohnung bekommen, nur ein paar weniger und andere. Er lässt auch keine Mahlzeiten aus. Ich reduziere sie eben nur. An der Bewegung kann ich nicht mehr viel machen, wir sind zwischen drei und vier Stunden täglich draußen und spielen auch viel.
Ich will keinen dicken Hund
Nur um das deutlich zu sagen: Ich würde ihn genauso lieben, wenn er 10 kg zugenommen hätte. Nur eben weniger lang. Denn für Hunde gilt das Gleiche wie für uns: Übergewicht kann krank machen. Es belastet zum Beispiel die Gelenke oder das Herz, kann den Stoffwechsel durcheinanderbringen und und und, genau so wie bei uns.
Wie viel das ausmacht, zeigt eine bekannte Langzeitstudie des Futterherstellers Purina mit 48 Labradoren: Die Hunde, die ihr Leben lang ein Viertel weniger Futter bekamen und schlank blieben, lebten im Mittel fast zwei Jahre länger. Und ihre Arthrose musste erst drei Jahre später behandelt werden als bei ihren gut genährten Geschwistern.
Und weil ich eigentlich anstrebe, dass meine Hunde mindestens 30 Jahre alt werden (besser wären 50, aber ich will nicht unverschämt sein), muss Voltaire nun ein wenig darben.
Es ist übrigens viel einfacher, einen Hund auf Diät zu setzen als sich selbst. Man selbst muss nämlich nicht darben, damit der Hund abnimmt. Das ist gemein, aber wahr.
Ein Appell an alle Tierbesitzer
Und deswegen an dieser Stelle noch ein Appell an alle Tierbesitzer: Achte auf das Gewicht deiner Tiere. Nicht aus optischen Gründen. Aus gesundheitlichen. Nein, ein Mops soll nicht aussehen wie ein Whippet, aber er soll auch nicht zu dick sein. Und natürlich hat ein Holsteiner Pferd eine andere Figur als ein Araber. Oder ein Perser eine andere Disposition als ein … na, du verstehst schon, was ich meine.
Und mir ist auch klar, dass nicht jeder eine Tierwaage parat hat. Aber für Hunde stehen die zum Beispiel in vielen Tierbedarfsgeschäften zur freien Verfügung herum. Die meisten Katzen kann man auf den Arm nehmen und sich mit ihnen auf die eigene Waage stellen. Sofern man denn mutig genug ist, sich danach selbst zu wiegen und dann das eigene Gewicht vom gemeinsamen abzuziehen. 🙂
Es geht aber auch ganz ohne Waage, mit dem Rippentest: Leg die flachen Hände seitlich auf den Brustkorb deines Hundes. Die Rippen sollten sich ohne Druck gut ertasten lassen, aber nicht sichtbar sein. Und von oben betrachtet sollte eine Taille zu erkennen sein. Musst du suchen und drücken, um die Rippen zu finden, ist das ein deutliches Zeichen. Und bevor ich nun in einer Flut von Mails ersticke, die mich darauf hinweisen, dass das bei ihrem Hund aber nicht so stimmt…. es handelt sich um eine Notlösung…. Waagen sind natürlich besser.
Freunde sagen die Wahrheit
Und was wirklich jeder Mensch hoffentlich hat: Freunde! Das sind diese Menschen, die manchmal so unbequem sind, weil sie einem die Wahrheit sagen. Wenn du dir nicht sicher bist, ob dein Tier zugenommen hat, dann frag einen Freund nach seiner Meinung. Meine Freunde fragen mich auch, und bei IHREN Tieren sehe ich, wenn sie zugenommen haben. Was vor allen Dingen daran liegt, dass ich ihre Tiere nicht täglich sehe.
Und bisher hat mir noch keiner meiner Freunde die Freundschaft gekündigt, wenn ich die Frage nach einer möglichen Gewichtszunahme bei einem ihrer Tiere bejaht habe. Denn noch einmal: Es ist so viel einfacher, sein Tier schlank zu halten, als bei sich selbst konsequent zu sein.
Finde ich zumindest.
*„’s Mami“ ist ein Schweizer Ausdruck, er gilt sowohl für Mütter als auch für Frauchen.





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