Gewitter!

Gewitter!

Eigentlich sind die Herren Hunde ja ausgesprochene Machos.
Täglich rasen sie mit Muscle-Shirt und dicker Goldkette durch „ihr Revier“ (andere würden es „unser Dorf“ nennen) und zeigen den anderen vierbeinigen Bewohnern, wer hier der Chef ist. Es wird gegockelt, stolziert und laut gebellt.

Unabhängig davon, dass auch hinter diesem wichtigtuerischen Gehabe nichts Wirkliches steckt, gibt es eine Sache, die aus den Angebern wirkliche Angsthasen macht: Gewitter! Und das beginnt nicht erst mit dem Gewitter, sondern auch schon Stunden vorher, nämlich sobald sich der Luftdruck verändert und damit ein Gewitter angekündigt wird.
Wer also in meiner Umgebung wissen will, ob in den nächsten zwei Stunden ein Gewitter naht, kann mich jederzeit anrufen. Meine Gewitter-Hunde-Frösche zeigen beide zuverlässig an. Sobald sich das Unwetter nähert, wird gehechelt, gezittert und zur Not auch leise gejammert.

Der Eine sucht Nähe,  der Andere flieht

Sobald es dann losgeht, rettet sich William gerne ins Badezimmer. In die sonst gehasste Dusche. Aber aus irgendeinem Grund wird diese Dusche ganz toll, sobald es gewittert.
Voltaire dagegen will dann sofort auf meinen Arm. Das geht nicht immer und außerdem sind 18 kg auch kein Zuckerschlecken. Schon gar nicht, wenn sie zittern wie Espenlaub.
So habe ich schon alle möglichen Dinge ausprobiert: Mozart-Beschallung, Thundershirt, Gewöhnung durch Gewitter-CD (die interessiert die Herren gar nicht) und ich versuchte sogar schon einmal ihnen zur Beruhigung Alkohol einzuflößen. Jedoch: Die Herren sind Anti-Alkoholiker. No way, dass das Zeug über ihre Zunge kommt. Und bevor ich hier nun wegen Tiermisshandlung angezeigt werde: Wir sprechen über Alkoholmengen in homöopathischen Dosen – Teelöffeln, in diesem Fall.

Apropos Homöopathie: Da habe ich, trotz meiner Ausbildung, bei den Jungs auch keinen Erfolg, wenn es um das böse Unwetter geht.

Die Wirkung des Duftes 

Nun arbeite ich ja auch seit einiger Zeit mit ätherischen Ölen. Und probierte daher natürlich auch ein paar beruhigende Öle aus. Bei William brachte es gar nichts, bei Voltaire reduzierte sich zumindest das Herzrasen auf eine gefühlte Berliner Clubnacht. Immerhin. Aber natürlich probierte ich weiter.
Vor kurzem wurde mir eine Mischung in die Hand gedrückt, die ich auch prompt testen durfte. Auf dem Rückweg aus einem Restaurant überfiel uns ein Gewitter. Überraschen konnte es uns ja nicht, da die Herren bereits zwei Stunden lang zitterten.
Wir liefen also durch Regen und Sturm, kamen klitschnass zuhause an und während die Jungs jammerten, fiel mir das Öl ein. Ich verrieb einen Tropfen zwischen meinen Händen und strich beiden über den Kopf. Bei Voltaire passierte genau nix. William dagegen legte sich hin … und schlief ein. Mitten im tollsten Gewitter. Nun bin ich ja von Natur aus eher misstrauisch.
Aber da das Wetter nett zu mir sein wollte, gewitterte es 2 Tage später gleich wieder (ich entschuldige mich dafür bei meiner Umwelt). Mit einem ähnlichen Erfolg: Auch wenn William nicht schlief, so wurde er doch merklich ruhiger. So warte ich nun aufs dritte Gewitter – um irgendwann einmal in meiner Aussage statistisch relevant zu sein. Und teste weitere Öle an Voltaire. Denn offensichtlich reagieren Hunde nicht alle gleich auf die unterschiedlichen Öle. Aber ich habe ja noch einige in petto, die mich hoffen lassen.

Aus der Nase, aus dem Sinn!? – Warum läufige Hündinnen an die Leine gehören … ein Plädoyer

Aus der Nase, aus dem Sinn!? – Warum läufige Hündinnen an die Leine gehören … ein Plädoyer

Das obige Bild wurde mit midjourney erstellt.

Ich habe diesen Artikel vor Jahren schon einmal veröffentlicht – damals wurde ich bei Facebook mehrfach gesperrt, weil der Titel „Männer sind Schweine“ lautete – mein Hinweis darauf, dass es sich hierbei um ein Zitat (Lied der Ärzte) handelte, wurde ignoriert. Nun werde ich altersmilde und habe daher einen harmloseren  Titel gewählt. Das ändert jedoch nichts an dem Tatbestand: Der Artikel ist aktuell wie eh und je – auch wenn ich heute nur noch einen unkastrierten Rüden führe:

Ich weiß auch, dass es unter allen Hundebesitzern verschiedene Meinungen gibt und dass auch Rüdenbesitzer nicht immer alles richtig machen. Nur ist das gerade nicht mein Thema.

Mein Thema ist der Umgang mit läufigen Hündinnen in öffentlichen Bereichen, beziehungsweise mit deren Kontakt zu anderen Hunden.

Denn nun ist es mir zum dritten Mal passiert, dass ich mit meinen Jungs in Gegenden unterwegs war, in denen viele Hunde laufen, und wir auf läufige Hündinnen stießen, die weder angeleint waren, noch dass sie irgendwie von ihren Besitzerinnen (in allen drei Fällen waren es Frauen) unter Kontrolle, also fern von anderen Hunden gehalten wurden.

Wie läuft so eine Begegnung ab?

Jedes Mal lief es ungefähr so ab: Den beiden Hunden und mir kommen fremde Menschen beziehungsweise fremde Hunde entgegen. Da die Menschen uns wahrnehmen, aber nichts sagen, gehe ich davon aus, dass Kontakt zwischen den Hunden erlaubt ist. Dann kommt es zum Kontakt, und dann stelle ich fest, dass meine Jungs sehr, sehr, sozusagen wirklich SEHR interessiert sind. In einem Fall war einer meiner Hunde schon dabei, die Hündin in Position zu bringen – und sie ließ es sich gefallen und klappte auch artig den Schwanz beiseite.

Spätestens wenn ich dann schnell reagiere (meine Jungs wollen in solchen Situationen meistens beim ersten Ruf aus irgendeinem Grund nicht gleich zu mir kommen), rufe ich dann: „Ist die Hündin läufig?“ … und in allen drei genannten Fällen war die Antwort: „Ja, wieso?“

Danach folgten jedes Mal Streitereien … denn die Besitzerinnen der zumeist willigen Hündinnen regten sich fürchterlich darüber auf, dass meine Jungs einfach unkastriert und unangleint durch die Gegend laufen. Der schönste Spruch einer Gegenpartei war: „Du kannst deine unkastrierten Köter hier doch nicht einfach alles besamen lassen.“

Warum ich fassungslos bin

Und ich stehe da … fassungslos. Und nun wende ich mich an die Besitzer und Besitzerinnen, denen nicht klar ist, warum ich fassungslos bin:

1. Gleiche Voraussetzungen
Meine Hunde sind ebenso unkastriert wie deine, ansonsten wären deine ja nicht läufig. Wieso muss also ich meine Hunde anleinen und du deine nicht?

2. Zeitliche Begrenzung
Die Läufigkeit deiner Hündin ist zeitlich begrenzt. Die Paarungsfähigkeit meiner Hunde nicht. Daraus könnte man schließen (wenn man wollte und keine Ahnung hat), dass meine Hunde immer an die Leine gehören, da sie ja immer alles decken wollen. Wollen sie aber gar nicht – nur bei Hündinnen in der Läufigkeit machen sie eine Ausnahme.

3. Ich kann Läufigkeit nicht riechen
Ich kann nicht riechen, dass deine Hündin läufig ist. So sehr ich mich bemühe, meine Hunde zu verstehen, deren olfaktorisches Talent geht mir ab. Ich kann also nicht wissen, dass deine Hündin läufig ist. Du solltest dies aber schon wissen. Solltest du dich jetzt fragen, woran du das merkst, schick mir bitte eine E-Mail. Ich melde mich dann – das würde hier den Rahmen sprengen.

4. Kommunikation ist wichtig
Wieso darf man mich einfach anschreien? Wer schreit, hat Recht? Danach leben zumeist nur Menschen, die genau wissen, dass sie NICHT im Recht sind. Das heißt: Die Besitzer(innen) wissen eigentlich, dass läufige Hündinnen an die Leine gehören, haben aber aus unterschiedlichen Gründen keine Lust, dies zu tun: zum Beispiel weil Luna immer so an der Leine zieht oder aber Amy so viel Auslauf braucht, den sie an der Leine nicht bekommt oder aber weil Bella es einfach doof an der Leine findet. Und deswegen laufen sie frei, frei nach dem Motto „Wird schon gutgehen, die meisten Hunde sind ja kastriert“. Und dann, dann kommen wir (also die Hunde und ich). Und dann gibt es Geschrei.

Die Lösung

Es mag ja sein, dass meine Annahme falsch ist. Dann möchte ich noch einmal ruhig und freundlich sagen: Wir anderen Hundebesitzer können nicht wissen, dass deine Hündin läufig ist. Und ich liebe diese Hundebesitzer, die aus weiter Ferne rufen (OHNE mich anzuschreien): „Meine Hündin ist läufig!“ Dann drehe ich sofort ab oder aber leine zumindest die Jungs an, sofern sie es nicht sowieso sind. Auf jeden Fall vermeide ich näheren Kontakt. Bitte sei auch so ein Hundebesitzer, der ruft, damit große Distanzen überwunden werden. Dann kommt es auch nicht zu ungewollten Welpen.

Sollte meine Annahme nicht falsch sein: Das macht mich unglaublich wütend. Denn es ist ignorant und rücksichtslos. Im schlimmsten Fall ist deine Hündin dann trächtig. In vielen Fällen haben aber Rüdenbesitzer das Problem, dass ihr Hund tagelang „Liebeskummer“ hat. Ich habe das Problem nicht. Meine Jungs leben nach dem Motto: Aus der Nase, aus dem Sinn. Aber andere Rüden leiden sehr. Und das kannst nur du ihnen ersparen. Und das solltest du auch. Denn diese Rüden sind keine „Schweine“ – sie sind nur unkastriert – genau wie deine Hündin.


Ich freue mich, wenn mir hier in den Kommentaren ein paar Geschichten zu dem Thema erzählt werden. Ich bin sicher, dass auch die Besitzer beziehungsweise Besitzerinnen von läufigen Hündinnen die merkwürdigsten Dinge erzählen können.